Holzprodukte

Für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke gibt es geeignete Holzarten , die sich in ihren Eigenschaften (z. B. Festigkeit, Dauerhaftigkeit, Resistenz, Verarbeitbarkeit) stark voneinander unterscheiden können. Weiterhin weist es als Naturprodukt ohnehin unterschiedliche Eigenschaften und Qualitäten auf (Wuchs- und Wachstumsbedingungen, Verarbeitung, Lagerung, etc.).

Zur Nutzung im Baubereich sind Kriterien notwenig, um Bauteile z. B. hinsichtlich Tragfähigkeit berechnen zu können oder Bauprodukte mit bestimmten Qualitäten im Handel erwerben oder veräußern zu können.
Auf dem Markt sind folgende Vollholzprodukte erhältlich:

Baurundholz

Baurundhölzer sind geschälte oder ungeschälte Stämme oder Stammabschnitte in unterschiedlichen Durchmessern. Man unterscheidet je nach Tragfähigkeit zwischen 3 Güteklassen.
Baurundholz findet Verwendung im Wasserbau, im Garten- und Landschaftsbau, im Spielplatzbau, beim Bau von Lärmschutzwänden oder Brücken, als Palisaden, als Holzpflaster oder als Rammpfähle.

Bauschnittholz

Beim Bauschnittholz unterscheidet man zwischen Balken, Bohlen, Brettern und Latten:

Einteilung d b
Latte ≤ 4 cm   < 8 cm
Brett ≤ 4 cm   ≥ 8 cm
Bohle  4 cm   b > 3d
Kantholz, Balken b ≤ d ≥ 3b  b > 4 cm


Kanthözer

Kanthölzer dienen als Stützen, Träger, Balken, Pfetten, Sparren.
Bohlen finden Verwendung als Gerüstbohlen, Laufplanken, Brückenbeläge, bei Balkonen und Terrassen.

Bretter verwendet man bei Dachschalungen, Auflagen, Diagonalschalungen zur Aussteifung von Brücken und Tragwerken sowie auf Terrassendecks.

Latten dienen als Unterkonstruktion für Dachdeckungen und Fassaden.
Zur Herstellung von Bauschnittholz wird hauptsächlich Nadelholz verarbeitet, wobei nicht alle Holzarten für tragende Zwecke zugelassen sind:

• Nadelhölzer:   Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche, Douglasie
• Laubhölzer:    Eiche

Konstruktionsvollholz (KVH®)

Bei Konstruktionsvollholz handelt es sich um ein veredeltes, form- und maßstabiles Bauschnittholzerzeugnis. Für die Herstellung dürfen ausschließlich Fichte, Tanne, Kiefer oder Lärche verwendet werden. Betriebe, die KVH® herstellen, müssen der „Überwachungsgemeinschaft Konstruktionsvollholz aus deutscher Produktion e. V." angeschlossen sein.
Konstruktionsvollholzprodukte sind in zwei Qualitäten für drei Nutzungsklassen erhältlich.

Brettschichtholz

Brettschichtholz besteht aus mindestens 3 faserparallel miteinander verklebten, getrockneten Brettern aus Nadelholz (üblicherweise Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche, Douglasie). Neben geraden Bauteilen ist die Herstellung variabler Querschnitte sowie gekrümmter Bauteile möglich.
Brettschichtholz eignet sich für Bauteile mit besonders hohen Anforderungen an Formstabilität und Optik, wie z. B. weit gespannte Bauteile bei Hallen, Sportstätten und Brücken.
Hersteller von Brettschichtholz benötigen als Befähigungsnachweis eine sog. „Leimgenehmigung" und unterliegen weiterhin einer Fremdüberwachung.

Balkenschichtholz

Beim Balkenschichtholz handelt es sich um sog. Duo- oder Trio-Balken, d. h. zwei oder drei flachseitig und faserparallel miteinander verklebten Bohlen oder Kanthölzern (s. Abb. rechts). Meist wird Fichte verwendet, aber auch Tanne, Kiefer, Lärche oder Douglasie.
Balkenschichtholz eignet sich für Bauteile mit hohen Anforderungen an die Formstabilität, insbesondere im Holzrahmenbau, beim Skelettbau, bei der Konstruktion von Dachstühlen oder sichtbaren Bauteilen.

Kreuzbalken

Kreuzbalken bestehen aus vier viertelholzähnlichen, faserparallel miteinander verklebten Segmenten aus Nadelholz (meist Fichte oder Tanne, aber auch Kiefer, Lärche oder Douglasie). Die Außenseite der Rundholzsegmente wird dabei nach Innen gewendet, so dass innerhalb des Rechteckquerschnittes eine zentrische, über die gesamte Balkenlänge durchlaufende Röhre entsteht (s. Abb. rechts).
Kreuzbalken verfügen über eine hohe Formstabilität für tragende und aussteifende Bauteile im Holzhausbau.

Thermoholz

Einige Tropenhölzer (z. B. Bongossi, Teak u. a.) weisen eine von heimischen Hölzern unerreichte Dauerhaftigkeit auf, weshalb sie gerade im Außenbereich (Terrassendielen, Gartenmöbel) gefragt sind.

Der weltweit große Bedarf an Tropenholz geht allerdings mit illegalem Raubbau und der Abholzung der ökologisch bedeutsamen Regenwälder einher. Seit einigen Jahren ist als Alternative sog. „Thermoholz" am Markt erhältlich. Dabei handelt es sich um heimische Hölzer, die durch ein spezielles thermisches Verfahren eine vergleichbare Dauerhaftigkeit wie Tropenhölzer erhalten. Ohne Zusatz von Hilfsstoffen werden unter dem Einfluss von Hitze und Feuchtigkeit die Holzzucker sowie andere organische Substanzen abgebaut, so dass den Holzzersetzern die Nahrungsgrundlage entzogen wird. Gleichzeitig wird das Wasseraufnahmevermögen entscheidend gehemmt. Als Folge verringert sich das Quell- und Schwindmaß und es erhöht sich die Dauerhaftigkeit des Holzes, welches dann ohne chemischen Holzschutz insbesondere im Außenbereich oder in Nassbereichen eingesetzt werden kann (siehe Foto: Steg aus Thermoholz, Herbert Hagensieker GmbH ). Je nach Intensität der thermischen Behandlung ändert sich auch die Farbe des Holzes zu goldenen Brauntönen bis ins Tiefschwarze - und bietet somit auch optisch interessante Verwendungsmöglichkeiten im Innenbereich und im Möbelbau. 

Holzwerkstoffe – Neue Materialien mit neuen Eigenschaften für erweiterte Anwendungsbereiche

Neben Vollholzprodukten finden im Baubereich auch sog. Holzwerkstoffe Verwendung.
Unter Holzwerkstoffen versteht man verschiedene Produkte, wie z. B. Sperrholz, Spanplatten oder Holzfaserplatten, die durch Verpressen unterschiedlich geformter und unterschiedlich großer Holzteile (Bretter, Stäbe, Furniere, Späne, Fasern) mit oder ohne Zugabe von Bindemitteln hergestellt werden.
Mit Holzwerkstoffen werden einerseits mögliche Qualitätsunterschiede des Naturprodukts Holz ausgeglichen. Andererseits entstehen durch die Verarbeitung und / oder die Zugabe verschiedener Zusatzstoffe (z. B. Bindemittel) Materialien mit neuen, definierten Eigenschaften und erweiterten Anwendungsbereichen (z. B. erhöhte Beanspruchbarkeit, Feuerschutz, Feuchtebeständigkeit, biologische Resistenz).
Weitere Aspekte bei der Produktion von Holzwerkstoffen sind im Falle von Furnieren der sparsame Umgang mit wertvollen Hölzern, die aus optischen Gründen die Ansichtsflächen von Produkten bilden, während der Kern aus Holzwerkstoffen auf Basis von Reststoffen (z. B. Resthölzer, unbelastete Alt- und Gebrauchthölzer sowie Reststoffe aus der Sägeindustrie) hergestellt wird, die somit wieder einer höherwertigen Nutzung zugeführt werden.

Vorteile

Homogenität:
Holzwerkstoffe sind Produkte mit neuen, definierten Eigenschaften und geringer Streuung. Grundsätzlich gilt, dass je kleiner die Größe der Holzpartikel ist, desto homogener ist der Werkstoff. Weiterhin kann man durch eine gezielte Anordnung der Holzbestandteile die Eigenschaften der Werkstoffe steuern (z. B. Faserverlauf parallel oder quer zur Plattenebene, Faserverlauf in eine Richtung oder lagenweise um 90° gedreht).

Dimensionsstabilität:
Im Vergleich zu Vollholz haben Holzwerkstoffe ein günstigeres Quell- und Schwindverhalten.
Abmessungen: 
Bei der Produktion von Holzwerkstoffen können platten- und stabförmige Elemente hergestellt werden, deren Abmessungen mit Vollholz nicht erreicht werden können (z. B. fugenlose Beplankungen, abgestimmte Bauteile).
Nachhaltigkeit: 
Die vermehrte stoffliche Nutzung von Holz als natürliche CO2-Senke ist grundsätzlich ein Beitrag zum Klimaschutz. Weiterhin stellt die stoffliche Verwertung von Reststoffen eine multiple bzw. eine kaskadische Nutzung (Downrecycling) eines wertvollen Rohstoffs dar, der erst am Ende seiner stofflichen Nutzungsmöglichkeiten energetisch verwertet wird.

Herstellung

Holzwerkstoffe werden je nach Produkt entweder im Nassverfahren oder im Trockenverfahren hergestellt. Das Nassverfahren ist ohne von Zugabe von Bindemitteln möglich. Hier wird das Lignin aufgeschlossen und zusammen mit der Verfilzung der Holzbestandteile bei hohem Pressdruck für die Bindung der Faserplatten genutzt.
Das Trockenverfahren erfolgt mit Zugabe von Bindemitteln. Je nach Produkt kommen hier spezielle Klebstoffe (je nach Nutzungsklasse) oder mineralische Bindemittel (z. B. Gips, Zement, Magnesit) zum Einsatz.
Über die Bindemittel lassen sich auch die Feuchtebeständigkeit, das Brandverhalten sowie die Resistenz gegenüber biotischen Holzzerstörern der Werkstoffe beeinflussen.
Beim Kauf von Produkten für den Innenbereich, bei denen als Bindemittel Klebstoffe zum Einsatz gekommen sind, sollte der Verbraucher auf Gütesiegel (Formaldehydbelastung) achten!


Nutzungsklassen

Holzwerkstoffe unterliegen hinsichtlich ihrer Verwendungseignung nach DIN 1052 drei unterschiedlichen Nutzungsklassen. Durch die Nutzungsklasse wird ersichtlich, ob ein Holzwerkstoff für den Trockenbereich (Nutzungsklasse 1 (z. B. Innenräume)), den Feuchtbereich (Nutzungsklasse 2 (z. B. offene, überdeckte Bauteile, Nassbereiche)) oder den Außenbereich (Nutzungsklasse 3 (bewittert, im Freien)) zugelassen ist.